Kirchenachter gegen Olympiaachter

Negative Vision professioneller EntscheidungsträgerInnen
zum Thema Verwaltungsreform

Vor einiger Zeit verabredete die Leitung der Kirche mit dem Olympia-Team, daß jedes Jahr ein Wettrudern mit einem Achter auf der Havel ausgetragen werden sollte. Beide Mannschaften trainierten lang und hart, um höchste Leistungsfähigkeit zu erreichen. Als der große Tag des Wettkampfes endlich da war, waren beide Mannschaften topfit.

Das Olympia-Team gewann das Wettrudern mit einer Meile Vorsprung.

Olympia-Achter
Nach dieser Niederlage war das Kirchen-Team sehr niedergeschlagen und die Moral auf dem Tiefpunkt. Die Leitung der Kirche entschied, daß der Grund für diese vernichtende Niederlage unbedingt herausgefunden werden müsse. ProjektteamerInnen wurden eingesetzt, um das Problem zu untersuchen und geeignete Maßnahmen zu empfehlen.

Die Untersuchung ergab: Das Problem war, daß beim Olympia-Team acht Leute ruderten und ein Mann steuerte. Im Kirchen-Tean ruderte einer und acht Leute steuerten. Die Leitung der Kirche engagierte sofort eine Beratungsfirma, um eine Studie über die Struktur des Kirchen-Teams anfertigen zu lassen. Nach Kosten in Millionenhöhe und einige Monate später kamen die Berater zu dem Schluß, daß zu viele Leute steuern und zu wenige Leute rudern würden.

Kirchen-Achter
Um einer Niederlage gegen das Olympia-Team im nächsten Jahr vorzubeugen, wurde die Team-Struktur geändert. Es gab jetzt vier Steuerleute, drei Obersteuerleute und eine Steuerdirektorin. Ein Leistungsystem wurde eingeführt um dem Mann, der das Boot rudern sollte, mehr Ansporn zu geben, sich noch mehr anzustrengen und ein Leistungsträger zu werden.

"Wir müssen seinen Aufgabenbereich erweitern und ihm mehr Verantwortung geben." Damit sollte es gelingen.

Im nächsten Jahr gewann der Olympia-Achter mit zwei Meilen Vorsprung. Daraufhin entließ die Leitung der Kirche den Ruderer wegen schlechter Leistung, verkaufte die Ruder, stoppte alle Investitionen in ein neues Gerät und stellte die Entwicklung eines neuen Bootes ein.

Der Beratungsfirma wurde eine lobende Anerkennung für ihre Arbeit ausgesprochen. Die eingesparten Gelder wurden an die Mitglieder der Leitung der Kirche ausgeschüttet.


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